Neu als Dozent mit an Bord:

Tom Senn, Der Grobe. Für’s Feine. Ein Mann aus der Praxis.

Mit dem Blick für’s Ganze. Und dem Einzelnen.

Interview und Fotos: Mandy Bartsch

1. Du bist ja irgendwie der Parade-Kreative. Alles schon gemacht, oder?

Na ja, das Gegenteil stimmt eher: nur gemacht, was Spaß macht. Macht’s keinen Spaß, mach ich’s auch nicht. Und das sollte niemals jemand tun. Und wenn man dafür den ganzen Beruf wechseln muss. Ein Zeit lang war ich gern Journalist, dann wurde es furchtbar. Also wurde ich Texter. Und ziemlich schnell Creative Director. Heut bin ich sogar manchmal gern wieder Journalist und Fotograf. Es gibt keinen klaren Weg als Kreativer. Klare Wege sind was für Unkreative. Und manchmal gibt es ja auch einfach jemanden, der es besser kann. Dann soll der es machen. Ich werd auf alle Fälle einige von diesen Leuten mitbringen. 

2. Das heißt, Du hast gar keine herkömmliche, grafische Ausbildung?

Null Komma null. Und vielleicht kann man es genau darum von mir am besten lernen. Ich zitiere niemanden. „Bei mir lernt man aus der Praxis“. Wie es wirklich ist, was wirklich geht. Und was wirklich nicht geht. Mit all meinen Kreativpartnern der letzten 25 Jahre bin ich immer zu einer Einheit verschmolzen. Die ADs hauen die guten Headlines raus, ich mach eine knaller Optik dazu und umgekehrt. Völlig egal, woher man kommt: Am Ende braucht’s ein Killer-Ergebnis. Aber um Dich zu beruhigen: ich war in großen und kleinen Agenturen, hab eine erfolgreiche Markengestaltungsagentur mitbegründet, hab zigzigzig Präsentationen gehalten, tausende von Dingen gestaltet, getextet, produziert und fotografiert. Und bin fast hundert Jahre alt. Ein bisschen weiß ich, wie’s geht.

3. Bei Dir kommt es also auf's Ganze an? Nicht nur Optik, sondern auch Inhalt?

Absolut. Man muss das Ganze sehen und können. Na gut: zumindest wissen, wie es geht oder wer es könnte. Du kannst ja selbst ein Lied davon singen, wie ich Dir bei unseren gemeinsamen Foto-Shoots schon tagelang auf die Nerven gegangen bin. Weil ich will, dass jeder weiss, worum es geht. Und was am Ende daraus werden soll. Auch das Produktionsthema ist ja eines. Viele denken viel zu ängstlich und zu eindimensional, weil sie die technischen Möglichkeiten, z. B. einer Druckerei, vielleicht gar nicht kennen. Oder sie verunstalten die tollsten Headlines mit schlimmen Umbrüchen. Es geht immer um die ganze Geschichte. Und ganz wichtig: Um denjenigen, dem ich sie erzählen will. Vordenken und Nachdenken. Ich lerne jeden Tag etwas Neues. Das muss man zulassen. Sonst wird man ein Fachidiot. Und das Wort Idiot kommt darin ja nicht zufällig vor. Jeder gute Stürmer muss im Training auch mal im Tor stehen. 

4. Du willst also auf's Leben vorbereiten und nicht nur stur unterrichten?

In jedem stecken Talente. Und ich werde die finden und kanalisieren. Ich war ja schon als Gastdozent an der Uni hier oder früher auch lange Jahre Dozent an der Texterschmiede. Eines weiß ich daher: in jedem steckt etwas ganz Besonderes. Und wir holen das gemeinsam raus, machen es hübsch und verkaufsfertig! Ich hab schon aus Textern angesehene ADs gemacht und aus mittelmäßigen Grafikern Knallertexter! Es darf also jeder in meinem Unterricht gespannt sein, was er vielleicht ab morgen macht. Und keine Sorge: Bewerbungstraining gehört bei mir auch dazu. Mit Vorstellungsgesprächsgarantie!  

5. Zwei Sätze, die Du den Studenten mit auf den Weg geben willst?

Wenn Ihr glaubt, eine Idee ist gut, fragt Euch kurz: will ich jetzt auf der Stelle meinen besten Freund anrufen und am Telefon überschnappen, weil die Idee so geil ist? Wenn Du diesen Drang nicht spürst, dann isses auch noch nichts. Und Satz zwei: Es ist ganz einfach, besser zu sein als die Anderen. Man muss nur besser sein als die Anderen.

Das kann lustig werden.

Wird es!

Weiß ich.

Ich auch.