Auf ein Rendering mit:

David Glissmann, Digital und 3D Profi aus Semester 58

David verbringt seine Zeit im Moment bei Factor Design und erzählt uns im Interview ganz viel über moderne Tools, Trends und Techniken...

Interview: Ilko Höpping

 

1. Du kommst jetzt ins fünfte Semester, bist also schon zwei Jahre dabei. Was hat dir bisher im Studium am besten gefallen und warum?

Mir gefällt besonders, wie sich Dozenten und Studenten im Allgemeinen untereinander begegnen. Ich finde ein familiäres Verhältnis und Duzen viel angenehmer, als das komplette Gegenteil. Für mich war es außerdem ein riesiger Bonus, dass ich auf der Akademie keine bekloppten Klausuren mehr schreiben muss; die konnte ich ab dem Zeitpunkt nicht mehr ab, an dem ich in jedem nicht naturwissenschaftlichen Fach „Deutsch-Klausuren“ schreiben musste.

Was noch? Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Aufgaben der Dozenten sehr frei gestellt werden und man quasi alles ausprobieren kann, um zum Ziel zu kommen. Wenn man für Kunden arbeitet, merkt man sehr schnell, dass man nicht mehr immer seine eigenen Vorstellungen umsetzen kann. Ansonsten gefällt mir ebenfalls, dass auch neben der vielfach digitalen Arbeit, die analoge nicht vernachlässigt wird und man in den ersten Semestern lernt, mit Pinsel, Feder und Stift umzugehen und Reinzeichnungen händisch zu machen.

2. Du konntest ein Praktikum bei einer angesagten Designagentur in Hamburg bekommen. Was sind deine Aufgaben bei Factor Design?

Ich habe gleich von Anfang an voll eintauchen können und wurde gut mit Aufgaben versorgt. Langeweile ist nie aufgekommen und die Zeit insgesamt sehr schnell vergangen. Ich hatte nicht einmal das Bedürfnis, um 18 Uhr das Gebäude zu verlassen, entweder weil ich noch irgendetwas zu Ende bringen wollte oder weil ich mich noch mit den anderen unterhalten habe. In habe in den verschiedensten Bereichen mitgewirkt, beispielsweise Web- und Appdesign, Logoentwicklung, Illustration, Animation oder Rendering. Wie von Anfang an vermutet, hat sich herausgestellt, dass ich durch die Arbeit in der Agentur einiges lernen kann und auch andersherum habe ich mir sagen lassen, dass Factor mich gerne dabehalten und einsetzen würde.

3. Du bist sehr digital aufgestellt und arbeitest fast nur am iPad. Welche Techniken und Programme magst du dort und auf dem Computer besonders gern?

Ich denke, „fast nur“ ist etwas zu viel gesagt. In der Uni arbeite ich tatsächlich sehr viel am iPad, zuhause aber auch etwa eben so viel am Rechner - da bin ich einfach entsprechend eingerichtet, was Voreinstellungen und Datenübertragung angeht. Ich bin jedenfalls immer neugierig, neue Tools und Techniken zu lernen und damit habe ich beinahe jedes Programm der Creative Cloud schon mal geöffnet und angetestet. Außerdem liebe ich es, programmübergreifend zu arbeiten, weil ich dadurch so unglaublich viele Möglichkeiten habe.

Photoshop kenne ich mittlerweile mit Abstand am längsten und habe somit auch schon Vieles probiert und lerne mindestens wöchentlich Neues dazu. Für einfache Animationen und Videos beispielsweise finde ich die Frame-Animation-/Videofunktion großartig, für komplexere Dinge steige ich dann auch gern auf After Effects um. Illustrator und InDesign dürfen natürlich nicht fehlen. Und zu guter Letzt ist auch Blender nicht zu vergessen, eine unfassbar geniale 3D-Software, die dazu sogar noch kostenlos und „Open Source“ ist. Sprich: Alles, was ich mache und was irgendwie dreidimensional aussieht, ist höchstwahrscheinlich in Blender gemacht.

Auf dem iPad gibt es auch einige (abgespeckte) Versionen der CC-Programme. Lightroom zum Beispiel hat mir im Urlaub gute Dienste bei der Bearbeitung meiner Urlaubsbilder geleistet. Am meisten arbeite ich auf dem iPad aber wohl mit Procreate, einer App, die in erster Linie zum Zeichnen und Malen gedacht ist, sich aber auch super für Hand Lettering eignet - dafür habe ich es mir schließlich gekauft: als Graphic Tablet. Alles andere ist Bonus.

Und um das Thema wenigstens kurz anzuschneiden: Die analoge Arbeit reizt mich natürlich auch; es gibt so vieles, was digital einfach nicht dasselbe ist. Leider kommt die analoge Arbeit bei mir in letzter Zeit etwas kurz, weil gerade so Dinge, wie Experimente mit Farben, Lacken, Spachteln, Pinseln, Schwämmen und Leinwänden deutlich aufwändiger sind, als digital mal zum Liquify-Tool zu greifen, und das alles zu simulieren - auch wenn der Effekt bei weitem nicht der analogen Variante das Wasser reichen kann.

4. Was sind deiner Meinung nach im Moment die angesagten Dinge im Bereich Kommunikationsdesign? Womit sollte man sich auf jeden Fall auskennen oder beschäftigen?

Es gibt ja einiges, was nach wie vor aktuell ist; beispielsweise werden Prinzipien wie „less is more“ oder „form follows function“ wohl zeitlos sein. Angesagt sind auch Minimalismus und Brutalismus, Abstraktion, Flatlay und Isometrien, Clay Renders, Geometrische Formen und Muster, Farbverläufe (ja, tatsächlich) und auch Animation - damit meine ich insbesondere einfache, subtile Animationen, oft auch 2D und 3D gemischt. Und das Spiel mit bunten Farben, handgemachter Typo und 3D-Stillleben sind nicht zu vergessen.

Generell würde ich empfehlen, sich nicht nur „einfach“ einen Weg anzueignen, eine Idee umzusetzen oder an Arbeit heranzugehen, sondern sich so viel wie möglich mit den Tools der einzelnen Programme zu beschäftigen. Es ist viel hilfreicher, sich für eine Aufgabe oder Idee zwischen fünf verschiedenen Herangehensweisen für die einfachste und schnellste entscheiden zu können, als nur 1 zu 1 die angelernte Theorie anzuwenden und damit unter Umständen viel Zeit zu verschwenden. Bisher war ein höherer Zeitaufwand für mich nie ein Problem, allerdings merke ich jetzt, wie sich das ändert.

5. Hast du schon einen Plan für die Zeit nach dem Studium. Was möchtest du dann machen?

Keine einfach Frage. Ich bin an so Vielem interessiert, dass ich mich gar nicht auf einen Bereich spezialisieren möchte, um die nächsten 10 Jahre damit zu verbringen. Was das angeht, eignet sich meiner Meinung nach Freelancing, weil man dabei eben Aufträge in den Bereichen bekommt, die auch im eigenen Portfolio wiederzufinden sind. Allerdings bringt das ja auch wieder Schwierigkeiten mit sich - man muss bekannt sein und Aufträge generieren können und man sollte in der Lage sein, seine Zeit gut einzuteilen. Besonders daran würde Freelancing bei mir wahrscheinlich scheitern. Ich könnte mir aber vorstellen, im 3D-Bereich aktiv zu werden. Modeling, Sculpting, Texturing, Rigging und Animation werden in Filmen, Spielen oder Werbung gebraucht, also hätte ich auch da noch verschiedene Möglichkeiten - momentan macht mir die Arbeit in der Agentur aber ebenfalls eine Menge Spaß. Mal sehen, was die Zukunft ergibt.

Hier noch ein paar Links: