Ilko Höpping

Dozent für Typographie, Editorial Design, Grafik Design, Digital- und UX-Design, Sound Design, Animation und Produktion

Analog und digital: Ilko ist unser Dozent für echtes Handwerk und neue Medien - von der Reinzeichnung hin zum UX Design, mit jahrelanger Erfahrung und immer on-trend.

Interview: Petra Horlitz, Fotos:  Mandy Bartsch  

1. Du bist ein Besessener - Typografie hat es Dir angetan. Wann hat diese große Liebe begonnen?

Es ging eigentlich schon sehr früh damit los. Es gab bei uns zu hause eine alte mechanische Schreibmaschine von meinem Opa und ich kann mich erinnern, dass ich eigentlich ab dem Moment, als ich mit Buchstaben etwas anfangen konnte, diese Maschine benutzt habe, um Texte zu erzeugen, z.B. als Beschriftung für meine Briefmarkenalben. Später auf dem Gymnasium war ich an der Schulzeitung mit beteiligt, die wir natürlich damals noch im Klebelayout herstellen mussten. Nach der Schule hätte ich fast etwas “vernünftiges” studiert und hatte sogar schon einen Studienplatz für medizinische Informatik. Allerdings kam es dann doch anders und ich fing ein Kommunikationsdesign Studium an.

Schon in den ersten Semestern des Studium digitalisierte ich dann diverse Schriften und unter anderem eine, für die ich die Schrift “meiner” schönen alten Schreibmaschine als Vorlage nahm. Diese Schrift nahm das Fonthaus Elsner&Flake in sein Programm auf unter dem Namen EF Mono. Der Normalschnitt der Schrift heisst ungewöhnlicherweise Cut und dann gibt es noch die Varianten Hazy und Stochastic, benannt nach den digitalen Filtern, die ich damals drübergejagt habe. 

Im Laufe des Studium wurde die Liebe zur Typografie so groß, dass ich als Abschlussarbeit ein Buch über Typografie geschrieben habe. Jetzt bin ich schon am Überlegen, ob ich meine Abschlussarbeit nicht auch nochmal neu drucke. Allerdings muss ich dafür die alten Dokumente vernünftig konvertiert bekommen und das wird nicht so einfach.

2. Man hat den Eindruck, Du bist immer in der Hamburger Akademie - Deine Augen sind überall. Aber dieser Eindruck trügt, was machst Du sonst noch so?

Dass alle denken, ich bin immer an der Akademie, liegt vielleicht auch daran, dass ich ja nie so richtig weg war. Schon kurz nach meinem eigenen Studium dort, habe ich als Dozent den ganzen Bereich neue Medien aufgebaut und konnte dann nach und nach ein paar von den Softwarekursen an würdige Nachfolger abgeben und mich mehr auf das Unterrichten von Typografie und Editorial Design konzentrieren.

Außer an der Akademie wollte ich schon immer gern auch auf Englisch unterrichten, da ich im Job unheimlich viel mit dieser Sprache zu tun habe und so kam es, dass ich damals 2003 bei ihrer Gründung in Hamburg als Teacher an der MiamiAdSchool Europe anfing und dabei blieb. Ansonsten unterrichte ich noch im Masterstudiengang Medienmanagement an der Hamburg Media School oder gebe Kurse für Agenturen. Ich habe sogar schon mal online per Skype für Agenturleute in Afrika einen Photoshop Kurs gegeben, aber irgendwie ist es besser, wenn man mit seinen Studenten im gleichen Raum sitzt.

Jobmässig habe ich nach fast zwanzig Jahren als Designer für sehr große amerikanische Firmen (Sun Microsystems später Oracle) und viel Editorial Design endlich wieder mehr Zeit für kleine coole digitale Projekte und bin außerdem dabei, etwas umzusetzen, was meine Studenten sich schon lange von mir gewünscht haben. Dazu will aber noch nichts genaueres verraten. Na ja, und ein paar neue Schriften sind auch in Arbeit, aber das braucht ja viel Zeit, damit es richtig gut wird.

3. Deine große Leidenschaft sind die Schriften! Welcher Schrift gehört Dein Herz und warum?

Diese Frage ist für jeden Typografen und Designer immer eine sehr schwere, vor allem, wenn er sich für eine Schrift entscheiden soll. Ich bin ein großer Fan der Fonts der 90er Jahre, z.B. von den Emigre Designern oder von Neville Brody. Wenn es aber eine ganze bestimmte sein soll, dann ist es wohl die FF Advert, die mich selbst schon viele Jahre als CI Schrift begleitet, da sie eine wunderschöne serifenlose Schrift ist, die bisher ihresgleichen sucht. Sie wurde von Just van Rossum gestaltet, der eine Menge coole Fonts gebaut hat, unter anderem auch die berühmte handgeschriebene JustLeftHand, die sicher viele aus der Werbung kennen.

4. Du begleitest die Studenten vom 1. bis zum 7. Semester. Welchen Ratschlag kannst Du ihnen für das Studium mitgeben?

Wenn sie bei uns im Unterricht immer gut zuhören und außerdem kräftig üben, sind sie schon ganz gut gerüstet für die Zukunft, denke ich. Dann sollte natürlich noch ganz viel Leidenschaft dazu kommen und sie sollten versuchen, schon während des Studiums auch in unserem Job, d.h. als Designer nebenbei zu arbeiten oder viele Praktika zu machen.

5. Feder oder Maus - was ist Dir lieber?

Ich bin ein großer Freund der Feder. Ich liebe es, Schriften von Hand zu schreiben. Es ist so wahnsinnig entspannend und die Ergebnisse kann kein Computer nachmachen.

Aber als Apple Macintosh Nerd der ersten Stunde bin ich natürlich auch ein großer Fan der Maus und des Computers.

Also beides irgendwie ;-)

und da ist noch etwas:

Ich möchte dieses Interview auch gleich noch dafür nutzen, um zu verkünden, dass ich es jetzt endlich schaffen werde, mit den Studenten auch richtige digitale Fonts zu erstellen. Ich freue mich total, dass das nun klappt und ich damit diese so extrem tolle Geschichte auch mit den Studenten zusammen durchziehen kann. Ich bin schon ganz gespannt auf die Ergebnisse und werde natürlich kräftig mitmischen…