Mandy Bartsch

Dozentin für Fotografie

Die Fotografin drückte schon als Studentin an der Hamburger Akademie gern selbst auf den Auslöser und zeigt den heutigen Studierenden mit viel Liebe, wie man richtig und kreativ fotografiert.

Interview: Petra Horlitz, Fotos:  Janes Trettin

Mandy, Du bist Fotografin mit Leib und Seele. Was fasziniert Dich an der Fotografie?

Die Zeit ist vergänglich, insbesondere der Moment. Da ich mit Hilfe meiner Kamera einen Moment festhalten kann, bilde ich mir ein, ihn unbeschwerter erleben zu können. Das Resultat ist meistens, dass ich dem Betrachter des Bildes die Schönheit eines Momentes oder eines Objektes nahe bringen kann, ohne dass er dabei gewesen sein muss. Dafür braucht es nur das richtige Motiv, eine gute Perspektive, ein wenig technisches Know-How und das richtige Licht. Was nicht immer ganz leicht ist, da sich manchmal alles, zumindest optisch, ändert. Zum Beispiel plötzlich wechselnde Lichtverhältnisse oder der falsche Ton am Set können das Model ganz schnell alt aussehen lassen.  …

Da kein Moment dem nächsten gleicht, und ich es schon so oft verpasst habe, Dinge oder Situationen zu fotografieren und mir dachte: „ja, das fotografiere ich beim nächsten Mal“, gehe ich nur noch mit Kamera und Festbrennweite bewaffnet aus dem Haus (und dieses nächste Mal sah nie wieder so aus wie das Mal davor), d.h in meinem Fall bewaffnet mit der D800, voll geladen und schussbereit.

Hast Du ein Lieblingsmotiv?

Ich denke in Ausschnitten und Perspektiven, und wenn das gepaart mit dem richtigen Licht stimmt, wohnt allem eine gewisse Schönheit inne. Fast jedes Motiv hat eine packende Ästhetik und mein Job ist es, genau diese zu finden.

Müsste ich mich entscheiden, wären es People. Durch die Fotografie kann man oft auch mal hinter die Kulissen schauen. Man ist an Orten und trifft Menschen an, die man sonst vielleicht nie gesehen oder kennengelernt hätte. Es ist und bleibt für mich, zumindest im Bereich People Fotografie, eine Art der Kommunikation. Man lässt sich auf neue Menschen ein und findet eine gemeinsame Ebene, diese muss ich im Regelfall möglichst schnell und nach deren Zufriedenheit oder der des Kunden festgehalten werden. Das ist oft ein schmaler Grat - aber sonst wäre es ja auch keine Herausforderung.

Teamwork und Perfektion steht für dich an erster Stelle. Warum?

Schon als Kind fand ich Ausnahmezustände, wie auf Straßenfesten, total faszinierend. Zack! Straßenabsperrung - und es wird gefeiert. Ich schaffe mir wie Alice unser eigenes kleines Wunderland. Alles fängt schon an bei der Planung an, da kommen alle Ideen auf den Tisch, viele Moodboards werden gedruckt und auch wieder verbrannt. Aber am Ende habe ich eine Vision und nun liegt es an mir, mein Team danach zu wählen. Der Wert der Crew am Set ist mir seit Beginn meiner Arbeit bewusst und ich richte mein Handeln konsequent danach aus. Deshalb habe ich wegen eines Stylisten schon mal einen ganzen Shooting-Termin verlegt, und es hat sich gelohnt. Es ist schön, wenn man die gleichen Vorstellungen hat wie der Stylist oder wie Hair&Makeup (Visagist/in). Wichtig ist, dass alles gut durchdacht ist. Dann hat man am eigentlichen Tag viel mehr Raum für Kreativität, als wenn alles nur hektisch und drunter und drüber liefe. Unvorhersehbare Dinge passieren so oder so.

Analog oder Digital? Du kennst noch beides! Was ist besser?

Schon als Kind hatte ich eine Zenit Spiegelreflex-Kamera. Diese wurden in der ehemaligen Sowjetunion produziert, also ein Plastikklotz aus den 70ern mit einem integrierten Spiegel und vorne einer Glasscherbe drauf. Damit habe ich ohne Film alles scharf gestellt. Dabei war ich in meiner eigenen Welt unterwegs.

Heute kann ich in einer Sekunde zehn Bilder schießen und drehe gefühlt ein Video. Natürlich ist es unbezahlbar, den perfekten Moment zu erfühlen und festzuhalten, aber wie toll ist eine Technologie, die eine schnelle Bildfolge möglich macht! Da atmet der angespannte Fotograf doch gleich wieder auf. Ich brauche in der Dunkelkammer keinen Anfall mehr zu riskieren, sondern weiß, dass ich DAS Bild im Kasten habe. In Bildern gesprochen: Kleid kurz vorm Hochwehen und das Kleid, was zu hochgeweht ist, und sich als Zelt über dem Model aufbäumt. Das Bild dazwischen ist heute möglich, und das ist für mich als Kind dieser Übergangsgeneration von analog zu digital einfach nur perfekt.

Du dozierst nun seit über zwei Jahren an der Hamburger Akademie, was gefällt Dir daran?

Mir macht es enorm viel Spass die Leidenschaft für Fotografie mit Menschen zu teilen, egal ob jung oder alt. Jeder findet Fotografie auf seine Weise spannend und ansprechend. Es sind doch die Unterschiede die Design und Kunst ausmachen. Die Diskussion darüber möchte ich mit meinen Studenten vorantreiben. Ich möchte ihnen die Basics vermitteln und sie sich selbst frei entfalten lassen. Künstlerische Fotografie hat ja eher was mit der Betrachtung als mit der Technik zur Entstehung des Bildes zu tun. Klar muss man erst einmal lernen was es braucht um ein „gutes“ Foto zu schießen; um das Auge dafür zu schulen braucht es aber auch konstruktive Kritik und Übung. Viel Übung. Daher versuche ich für die Studenten möglichst vielfältige und spannende Briefings zu entwickeln.