Katharina Gschwendtner

Dozentin für Figürliches Zeichnen, Gestaltungslehre, Farbe, Form, Illustration, Storyboard, Projektwerkstatt

Katharina Gschwendtner arbeitet als Illustratorin für internationale Verlage und Design- und Werbeagenturen. Sie ist Mitherausgeberin von Spring, einem jährlich erscheinenden Magazin für Zeichnung zwischen Comic und Kunst. Regelmäßig stellt sie in Galerien aus, so sind ihre Arbeiten Bestandteil der Sammlung der Kunsthalle Hamburg.

Interview: Petra Horlitz, Fotos: Mandy Bartsch  

1. Katharina, erzähl doch mal, wie bist Du zur Illustration gekommen?

Ich habe nach einer Ausbildung zur Holzbildhauerin Visuelle Kommunikation an der FH Pforzheim, in Athens (Georgia/USA) und abschließend an der HAW in Hamburg studiert. Die Illustration hat sich als Berufszweig für mich tatsächlich - aus dem wirren Chaos der Jugend - ergeben. Für mich ist das immer noch ein Hammer! Ich war immer voll und ganz Zeichnerin, habe meine Gedanken und Eindrücke durch das Zeichnen sortiert, als Notwendigkeit für einen einigermaßen klaren Kopf. Deshalb waren die Zeichnungen auch immer sehr inhaltlich und erzählerischer als bloße Abbildungen. Mein Wunsch war es, zu zeichnen und als Künstlerin Geld zu verdienen. Ich machte mit bei Ausstellungen, gründete mit Studienfreunden eine Künstlergruppe, zeigte meine Arbeiten. So wurden Bildredakteure auf mich aufmerksam, die mich dann für konkrete Aufgabenstellungen buchten. Mein erster Job war für Geo Gesundheit. Andreas Knoche, der sehr interessiert Ausschau nach markanten Illustratoren hielt, fand meine Art der Zeichnungen passend für einen Artikel, in dem es um Fanatismus im Umgang mit der Ernährung ging. Meine Spezialität sah er im Abgründigen, immer verbunden mit Humor und Empathie für die dargestellten Figuren. Auf diese Veröffentlichung hin bin ich häufiger gebucht worden und wurde zunehmend bekannter. Inzwischen bin ich sozusagen Profi und gebe meine Kenntnisse gerne als Dozentin an verschiedenen Hoch- und Privatschulen weiter.

2. Was macht so eine Illustratorin eigentlich den ganzen Tag?

Wenn ich einen Auftrag erhalte, gehe ich mit dem Thema einige Zeit „schwanger“. Ich rolle verschiedene Ideen durch den Kopf und lasse sie dort reifen. Dann skizziere ich und überprüfe die Idee auf ihre Qualität. In erster Linie muss die Bildidee der Thematik entsprechen, sogar noch darüber hinaus interessant sein. Dann sollte der Entwurf plakativ und leicht erfassbar sein, dennoch unterhaltsam bleiben. Es gibt viele Kriterien, die erfüllt und bedacht werden müssen. Um nur eines zu nennen, das Verhältnis zum Empfänger. So wird die Illustration ein und der selben Sache in einem Kinderbuch sicherlich anders aussehen als in einem Wirtschaftsmagazin. 

Wenn ich eine Ausstellung vorbereite und ausschließlich frei arbeite, dann genieße ich die großen Formate, das Abenteuer, die unkalkulierten Entwicklungen, die meine Bilder durchlaufen. Die Ideen, die mir beim freien Arbeiten auf das Bild fließen, inspirieren meine Auftragsarbeit auf jeden Fall. Ich bin immer wieder überrascht, was für Bildideen zum Leben erwachen! Und ich bin immer wieder sehr glücklich, dass mich meine eigenartige Phantasie ernährt. Einen regelmäßigen Tagesablauf habe ich nicht.

3. Viele Studenten hadern mit sich selbst. Kann man eigentlich mit wenig Begabung auch illustrieren?

Um ein guter Illustrator zu sein, muss man nicht unbedingt gut zeichnen können. Und umgekehrt, ein guter Zeichner ist nicht gleich ein guter Illustrator. Ein guter Zeichner kann als Storyboard- oder Layoutzeichner Aufträge bekommen. Nicht unweigerlich hat er das Talent, eine eigene Formensprache zu entwickeln, Flächen zu beleben, Inhalte zu transportieren. Eine gelungene Illustration kann sich durch maximale Abstraktion, durch intelligente Metaphern, durch handwerkliche Meisterschaft, durch Witz oder inhaltliche Provokation auszeichnen. Man braucht Talent, man braucht Interesse. Nur was interessiert und fesselt, kann originell interpretiert werden. Letztlich geht es immer um Interpretation, Eigenwilligkeit, gepaart mit dem Willen zur Kommunikation. Der Illustrator, und das unterscheidet ihn ja maßgeblich vom Künstler, hat einen Auftraggeber mit bestimmten Absichten und einen Adressaten, der von einer Illustration berührt werden will.

4. Du hast schon so viele große Jobs gemacht. Auf welchen Job wartest Du noch?

Zeitschriften, Zeitungen und Werbung war bislang der Bereich, für den ich vornehmlich gearbeitet habe. Mir hat das Sportliche daran immer gefallen, nämlich recht schnell Ergebnisse zu finden. Inzwischen bedauere ich manchmal die Schnelllebigkeit dieser Arbeit. Nach einer Woche ist die Illustration in einem Magazin veraltet. Neben den Auftragsarbeiten bin ich auch Mitherausgeberin eines regelmäßig erscheinenden Heftes und stelle Bilder in Galerien aus. Dennoch möchte ich auch im Bereich der Illustration für mehr Langlebigkeit sorgen. Ich stelle es mir phantastisch vor, einen Autoren zu treffen, mit dem man eigene Bücher entwickelt. Ich selbst bin da alleine für mich irgendwie blockiert und glaube, dass jemand anderes für den Text sorgen sollte. Bücher, die dann noch Kinder in 20 Jahren lesen, die möchte ich mal machen!

5. Leidenschaft oder Fleiß?

Der geniale Illustrator Christoph Niemann hat in Vorträgen und Illustrationen wunderbar die elementare Bedeutung des Fleißes beschrieben. Das Durchbeißen ist eine Sache. Aber die Basis für alles ist natürlich die Lust, das Interesse, die Begeisterung. Heute, mit den Möglichkeiten des Internets und der gewohnten täglichen Bilderflut, muss man schon tapfer sein. Es gibt so viele gute Illustratoren, die mir ihre Bilder entgegenschleudern. Der Weg zu einem guten Ergebnis ist manchmal steinig. Andererseits betrachte ich die Arbeit aus einem egoistischen Blickwinkel: Ich liebe den Moment zu sehr, wenn die Zeichnung da ist, richtig erscheint und mich selbst überrascht. Das will ich mir nicht nehmen lassen, dafür lohnt es sich zu kämpfen!

Wer noch mehr über Katharina wissen möchte, schaut hier:

www.gschwendtner.info

www.springmagazin.de