JÜRGEN ERNDT

Dozent für Kreativitätstechniken, Designkonzepte, Gestaltungsgrundlagen, Designgeschichte, Messedesign, Produktdesign

Ein Kreativer mit ganz viel Berufs- und Lehrerfahrung und enormer Energie. Trotzdem schafft er es wie kaum jemand in kritischen Situationen ruhig zu bleiben.

Interview: Petra Horlitz, Fotos:  Mandy Bartsch  

1. Jürgen, Du bist schon so lange im Geschäft und hast wahnsinnig viel Erfahrung. Erzähl uns doch mal kurz, was Du in Deinem Berufsleben schon so alles gemacht hast.

Gut, das würde jetzt eine Doppelseite sprengen, daher  vielleicht nur das Wesentliche. Stolz bin ich auf die vielen Lehrtätigkeiten, Praxisprojekte, Hochschulen, Akademie-, Hochschul- und Studienganggründungen. Z.B. direkt nach meinem Abschluss oder quasi direkt noch aus dem letzten Semester heraus im Dipl.-Studiengang an der BUGH Wuppertal. Mitbegründung der Int. designAkademie Ruhr e.V., als Referent für Ökologie & Design u.a. zusammen mit Hans Höger/Mailand (danach Geschäftsführer des German Design Council) und dem sehr liebenswerten Architekten u. ehem. Prof. in Stuttgart Robert Hausmann/Zürich. In Hamburg war ich viel im Transportation-Design tätig und einige Jahre Dozent an der jetzt HAW FB-Fahrzeugtechnik oder auch am Anfang der Hamburger-Zeit als Illustrator u. Designer für Agenturen wie Scholz & Friends etc.  . . .  , wie gesagt dies als shortcut.

2. Auf welches Produkt, das Du entwickelt hast bist Du immer noch richtig stolz.

Da würde ich natürlich spontan sagen alle Produktentwicklungen, dann drei (oder doch fünf) in die engere Auswahl nehmen, benennen und eins besonders herausstellen: Der unsichtbare Lichtschalter, patentiert für einen führenden deutschen Schalterhersteller, frei nach dem Credo von Lucius Burckhardt „Design ist Unsichtbar“. Dann wären noch zu nennen, ein vollklappfähiges E-bike; Flugzeuginterior und Cockpit; Eco-Solar-Parkscheinautomaten; Automobil-Interior; motor scooter design . . .

3. Die Studenten lieben Dich für Deine tolle, ruhige Art Dinge zu erklären und Dein unglaubliches Wissen, wenn es um Design geht. Was ist Dir am unterrichten besonders wichtig?

Die Liebe zu den Menschen, wenn ich das mal so sagen darf; oder mit anderen Worten von Prentice Mulford frei zitiert: „Das schönste an jedem Beruf ist, das er Menschen zusammen bringt“. Und dann bestimmt ganz nach Goethe: Das Wahre, das Gute, das Schöne . . . die Begeisterung für Ästhetik, Design gleich Zeit u. Kulturimpulse erkennbar zu gestalten und dies zu vermitteln.

4. Braucht die Welt eigentlich wirklich noch mehr neue Produkte? 

Eigentlich nein, less is more, simple the best und dann, wenn wir uns hundert Jahre zurück versetzen? Was gibt es alles für Produkte, die es vor hundert Jahren noch nicht gab? (1917 – 2017) was wird es in 20-50, 100 Jahren geben? Let´s do it, es gibt viel zu tun und es macht Spass, kreativ u. innovativ zu sein - sowie im Zweifel zu reduzieren, in die Abstraktion zu gehen, weg zu lassen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Zukunft ist spannend und es wird spannend oder auch anders ausgedrückt: „Die Aufgaben für Designer stehen in der Tageszeitung“ und dann gibt es plötzlich verdammt viel zu tun.

5. Darf man Klassiker verändern?

Jetzt könnte es philosophisch werden, mit zum Einen: „Sowohl als auch“, bzw. „Entweder/oder“. Die Historie zeigt, das so manches Re-Design wie z.B. der Wassily Chair von Alessandro Mendini dann wieder selbst zum Klassiker werden kann, oder für eine bestimmte Zeit steht, aber ist der Entwurf dadurch direkt auch zeitlos? Dann denke ich doch lieber an den Chair One von Konstantin Grcic, der auch in jüngeren Jahren schnell zum Klassiker wurde. Mein Resümee: einfach – schnell – innovativ – ganz neu, selbst einen Klassiker kreieren.